Qualitative Auswertungsmethoden

Was zeichnet qualitative Auswertungsmethoden aus?

Der qualitative Auswertungsprozess wird ganz im Sinne der qualitativen Logik vollzogen: Individuelle, aber auch kollektive Bedeutungen und Handlungsmotive dienen dazu ein (eventuell noch unbekanntes) Forschungsfeld zu ergünden. Dadurch wird der Aspekt der Theoriegenerierung sehr stark, wenngleich es auch Auswertungsverfahren gibt, die sich einer deduktiven Theorieüberprüfung bzw. Theorieergänzung verschreiben.

Allen gemein ist ein Auswertungsprozess der folgende Punkte umfasst:

Der qualitative Auswertungsprozess umfasst somit einige Punkte, die in der Forschungsarbeit festgelegt und reflektiert werden sollten.

Zielsetzung qualitativer Auswertungsverfahren

Die allgemeine Zielsetzung qualitativer Auswertung besteht darin (unbekannte) Phänomene zu ergründen, um daraus Theorien zu generieren. Allgemein basiert es darauf soziale Lebenswelten "von innen heraus" verstehen und beschreiben zu können. Dennoch gibt es auch Verfahren, die bestehende Vorannahmen deduktiv im Datenmaterial finden können und so theorieergänzend eingesetzt werden können.

Welche Auswertungsmethode passt zu meinen Daten?

Die Auswertungsverfahren sind sehr vielfältig und hängen stark davon ab, was man genau erforschen möchte. Welche Auswertungsmethoden zu meinen Daten passen, ist dadurch nicht pauschal zu beantworten. Vielmehr ist es (ähnlich wie bei der Wahl der Qualitative Erhebungsmethoden [455]) das Erkenntnisinteresse und die Fragestellung, die die Wahl der Auswertungsmethoden bestimmen. Somit findet nicht nur ein Auswahlprozess statt, sondern auch ein Ausschlussprinzip.

Man stellt sich die allgemeinen Fragen:

  • Wie kann meine Fragestellung beantwortet werden und wodurch?
  • Welche Methoden eignen sich dafür, um meine Fragestellung zu beantworten?

Diese Kombination aus Auswahl und Ausschluss wird im Forschungsdesign begründet und festgehalten.

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Dadurch wird bereits deutlich, dass im Bereich der qualitativen Auswertung eine Vielzahl an Methoden zu finden sind, die die bestimmten Forschungsinteressen abbilden können.

In vielen Lehrbüchern wird die Vielzahl an Methoden in diverse Gruppen gebündelt. Dies dient der Einordnung der unterschiedlichen Methoden und kann die wichtige Fragestellungs-Methoden-Passung erleichtern.

So gibt es bespielsweise Gruppen, die sich eher der Methodologie dahinter widmen:

Andere Kategorien schlüsseln das Methodenspektrum eher durch das praktische Vorgehen auf, z.B. kodierend oder sequenzanalytisch. Dabei wird sichtbar, dass die Auswertungsmethoden nicht komplett trennscharf eingeordnet werden können. Denn es gibt Überschneidungen zwischen den Kategorien, die unterschiedlichen Methoden können somit auch mehrere Charakteristika beinhalten.

Was erwartet Sie in den nachfolgenden Artikeln?

Im folgenden Kapitel wird das Verfahren der Qualitativen Inhaltsanalyse vorgestellt. Ein Verfahren, dass sowohl sehr induktiv und theoriegenrierend die Daten auswerten kann, aber auch deduktiv und theoriegeergänzend. Anwendbar ist dieses Verfahren mit diversen Erhebungsformen, so passt es sowohl zu diversen Interviewformen und Beobachtungen, aber auch Dokumente lassen sich mit diesem Verfahren gut aufschlüsseln. Neben einer Vielzahl an Spezialisierungen, die es in der Qualitativen Inhaltsanalyse mittlerweile gibt, wird hier zunächst die Variante nach Kuckartz intensiver vorgestellt. Es werden in naher Zukunft aber auch Artikel zum Verfahren nach Mayring folgen, sowie gezieltere Verfahren, die sich mit der Auswertung von ExpertInneninterviews auseinander setzen.

Literaturhinweise

Bohnsack, Ralf (1999): Rekonstruktive Sozialforschung. Einführung in Methodologie und Praxis qualitativer Forschung. Wiesbaden: Springer VS

Flick, Uwe; Kardorff, Ernst von; Steinke, Ines (2008): Was ist qualitative Forschung? Einleitung und Überblick. In: Uwe Flick, Ernst von Kardorff und Ines Steinke (Hg.): Qualitative Forschung. Ein Handbuch. 6., durchgesehene und aktualisierte Auflage. Reinbek: Rowohlt, S. 12-29.

Gläser-Zikuda, Michaela (2011): Qualitative Auswertungsverfahren. In: Reinders Heinz, Ditton Hartmut, Gräsel Cornelia, Gniewosz Burghard (eds) Empirische Bildungsforschung. Wiesbaden: Springer VS, S. 109-119.

Heckmann, Friedrich (1992): Interpretationsregeln zur Auswertung qualitativer Interviews und sozialwissenschaftlich relevanter "Texte": Anwendungen der Hermeneutik für die empirische Sozialforschung, in Hoffmeyer-Zlotnik, Jürgen (Hrsg): Analyse verbaler Daten: über den Umgang mit qualitativen Daten, Opladen: Westdt. Verl.,.S. 142-167

Knassmüller Monika, Vettori Oliver (2007): Hermeneutische Verfahren. In: Buber Renate, Holzmüller Hartmut (eds) Qualitative Marktforschung. Gablerr, Wiesbaden: Springer VS, S. 299-317.

Kuckartz, Udo (2018): Qualitative Inhaltsanalyse. Methoden, Praxis, Computerunterstützung. Weinheim und Basel: Beltz Juventa.

Mayring, Philipp (2010): Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. Weinheim und Basel: Beltz Juventa.

Przyborski, Aglaja; Wohlrab-Sahr, Monika (2019): Forschungsdesigns für die qualitative Sozialforschung, in: Baur, Nina; Blasius, Jörg (Hrsg): Handbuch Methoden der empirischen Sozialforschung, Wiesbaden: Springer VS, S. 105-123.

Przyborski, Aglaja; Wohlrab-Sahr, Monika (2014): Qualitative Sozialforschung. 4. erweiterte Auflage. München: De Gruyter Oldenbourg

Strauß, Anselm; Corbin, Juliet (1996): Grounded Theory. Grundlagen qualitativer Sozialforschung. Weinheim und Basel: Beltz Juventa

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Autor*innen dieses Artikels

Yvonne Kohlbrunn (Methodenzentrum)