Problemzentriertes Interview

Das problemzentrierte Interview (PZI) ist eine Form der leitfadengestützten Interviews, die eher theoriegenerierend vorgeht und weniger theorieüberprüfend. Es lehnt sich somit an das Paradigma der Grounded Theory an, aufgrund der Leitfadenverwendung werden Vorannahmen zum untersuchenden Phänomen jedoch nicht ausgeklammert. Dadurch entsteht ein Spannungsfeld zwischen deduktivem Vorwissen und induktiver Ergänzung durch das Material. Für die Leitfadengenerierung bedeutet dies, das Vorwissen über die untersuchende Problematik in Leitfragen festzuhalten. Bei der Interviewführung ist zudem zentral eine Bereitschaft dafür zu besitzen, auf neue Aspekte einzugehen und so das Vorwissen mit den unmittelbar neuen Informationen anzureichern. Das setzt bei der Interviewführung eine besondere Flexibilität vorraus. Diese bewusst flexible Vorgehensweise soll ermöglichen, dass die Interviewaussage keine bereits vorhandene Theorie „übergestülpt“ bekommt. Die/der Befragte setzt ihre/seine Relevanzen zum untersuchenden Phänomen selbst, das vorhandene Vorwissen durch den Interviewer gestaltet lediglich den Leitfaden und dient dazu das Phänomen aufzubrechen.

Durchführungsprinzipien für problemzentrierte Interviews

Wie durch die Einleitung schon deutlich wird, gibt es zwar bereits ein Konzept zum untersuchenden Phänomen, welches die Leitfragen gestaltet, die/der Befragte modifiziert dieses Konzept jedoch durch den subjektiven Gesprächsbeitrag. Das lässt ein Spannungsverhältnis entstehen zwischen Deduktion und Induktion, um mit diesem Spannungsfeld forschungspraktisch zu arbeiten, gestaltete Witzel drei Grundprinzipien für das problemzentierte Interview:

Instrumente zur Durchführung problemzentrierter Interviews

Die Durchführung des PZI werden durch vier Instrumente unterstützt:

Aufbau des problemzentrierten Interviews

Das PZI besteht ist ein diskursiv-dialogisches Verfahren, welches die Aussagen der Befragten auf die jeweilige Problematik fokussiert. Dadurch besitzt diese Interviewvariante die Möglichkeit das bereits bestehende Vorwissen zur untersuchenden Problematik zu ergänzen oder gar zu korrigieren. Die Interviewführung besteht aus einem zentralen Zuhörprozess mit Nachfragen, dabei gilt auch hier das Prinzip, dass zunächst immanent nachgefragt wird und später exmanent.

Die Interviewführung kennzeichnet sich durch bestimmte Kommunikationsstrategien:

Wann ist ein problemzentriertes Interview die richtige Wahl?

Das PZI ist die richtige Wahl, wenn die Fragestellung nicht rein explorativ ist, somit gewisses Vorwissen oder gewisse Vorannahmen zum untersuchenden Phänomen bestehen. Dieses Vorwissen wird anhand subjektiver Aussagen vertieft und ergänzt. Besonders eignet sich diese Erhebungsmethode bei Vorstudien, um ein Forschungsfeld aufzubrechen. Aufgrund der Leitfragen-Vorgehensweise erleichtert diese Interviewvariante mögliche anschließende Vergleiche.

Zusammenfassung

Literaturhinweise

Kurz Andrea, Stockhammer Constanze, Fuchs Susanne, Meinhard Dieter (2007): Das problemzentrierte Interview. In: Buber R., Holzmüller H.H. (eds) Qualitative Marktforschung. Wiesbaden: Gabler.

Witzel, Andreas (1985): Das problemzentrierte Interview. In: Jüttemann, Gerd(Ed.): Qualitative Forschung in der Psychologie : Grundfragen, Verfahrensweisen, Anwendungsfelder. Weinheim: Beltz.

Witzel, Andreas (2000): Das problemzentrierte Interview. 25 Absätze. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 1(1).