Feldzuschnitt und Feldzugang

Bestimmung des Forschungsfeldes

Der Begriff Forschungsfeld suggeriert, dass es sich dabei um eine klar abgegrenzte Lokalität wie ein Unternehmen oder einen Klassenraum mit eindeutigen Teilnehmenden handelt. Diese Grenzziehung anhand von einem Ort ist aber bei vielen Fragestellungen nicht sinnvoll. Wendet man sich bspw. Managementpraktiken in einem Unternehmen zu, zeigt sich schnell, dass auch andere Orte oder Situationen, wie externe Fortbildungen oder das Feierabendbier zwischen Kolleg*innen von Interesse sein können. Ein Forschungsfeld muss also von den Forschenden anhand der eigenen Fragestellung selbst zugeschnitten werden. Verfolgt man den Forschungsansatz der Ethnographie, ist der Prozess des Feldzuschnitts ein zirkulärer Prozess der Datenerhebung und Datenauswertung, da das Interesse zunächst sehr offen ist und sich erst im Laufe der Forschung zuspitzt.

Feldzuschnitt

Zugang zum Feld

Die Frage, wie man zu einem ausgewählten Feld, wie bspw. einer politischen Partei, einem Unternehmen oder einer Jugendgang, Zugang bekommt, ist für Beobachtungstudien überaus bedeutsam. Dabei steht zu allererst die Kontaktaufnahme im Vordergrund. In vielen Fällen wird Kontakt über das sogenannte Vitamin B, also einen persönlichen Kontakt, hergestellt. Wenn das nicht der Fall ist, sollten folgende drei Fragen vor der Kontaktaufnahme beantwortet werden:

Den Zugang zu einem Feld bekommen stellt sich in vielen Fällen als frustrierender und langwieriger Prozess dar. Organisationen, Subkulturen und andere Felder haben meistens kein Eigeninteresse daran, eine fremde Person in die eigene Praxis ‚einzuweihen‘ oder fürchten sogar, dass ihnen die Forschung schaden könne, da zeitliche Ressourcen verschwendet oder interne Details öffentlich würden. Thomas Lau und Stephan Wolff (1983) haben folgende Abwehrreaktionen systematisiert, um Forschenden zu helfen, diese zu erkennen und frühzeitig zu reagieren:

Rapport und eigene Rolle im Feld

Der Begriff des Rapports stammt aus der Psychoanalyse und wird in der Ethnographie verwendet, um die notwendige enge Arbeitsbeziehung zwischen Ethnograph*in und Beforschten zu bezeichnen. Letztlich geht es um die immer wieder virulente Frage, wie es den Forschenden gelingen kann, Vertrauen herzustellen. Dieses Vertrauen ist unbedingt notwendig, damit Akteur*innen ihre Lebenswelt für externe Beobachter*innen aufschließen und Zugang gewähren. Stellt man sich selbst die Frage, unter welchen Bedingungen man einem Menschen eigentlich vertraut, stellt man schnell fest, dass Vertrauen zum einen ein Gefühl der Vertrautheit voraussetzt und zum anderen an Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit geknüpft ist. Vertrautheit – so die Annahme der Ethnographie – kann nur durch längere Anwesenheit im Feld hergestellt werden. Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit sind zu einem großen Teil an die Selbstpräsentation des Forschenden geknüpft.

Es gilt einen Drahtseilakt zu meistern zwischen Anpassung an das Feld, um nicht als Eindringling zu gelten, und ‚Bewahrung‘ der eigenen Ansichten und Gewohnheiten, um die eigene Glaubwürdigkeit nicht zu verspielen. Eine Faustregel ist, dass man zunächst möglichst viele Personen im Feld kennenlernen sollte, ohne sich aufzudrängen. Das verlangt ein Gespür für Regeln und Normen des Feldes. Neben Fragen der praktischen Herstellung des Rapports stellen sich darüber hinaus auch forschungsethische Fragen. So müssen Forschende darüber nachdenken, wie sie mit Informationen umgehen, die ihnen anvertraut wurden oder wie sie sich positionieren, wenn sie in Situationen gelangen, die mit den eigenen Wertvorstellungen unvereinbar sind (bspw. rechtsradikales Gedankengut).

Eigene Rolle im Feld

Zusammenfassung

Literatur

Breidenstein, Georg; Hirschauer, Stefan; Kalthoff, Herbert (2013): Ethnografie. Die Praxis der Feldforschung. Konstanz: UTB (UTB : Sozialwissenschaften, Kulturwissenschaften, 3979).

Lau, Thomas/Wolff, Stephan (1983): Der Einstieg in das Untersuchungsfeld als soziologischer Lernprozeß. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 35: 417-437.