Grounded Theory Methodology

Die Grounded Theory Methodology (GTM) ist ein methodischer Ansatz, der von den amerikanischen Soziologen Anselm Strauss und Barney Glaser in den 1960er Jahren entwickelt wurde. Dabei verfolgt der Ansatz das Ziel, neue Theorien auf der Grundlage empirischer Daten zu entwickeln. Deshalb findet man häufig die Übersetzung von Grounded Theory als gegenstandsverankerte Theorie. Die GTM ist nicht als spezifische Methode zu verstehen, sondern als Prinzip der Analyse qualitativer Daten. Und mit Analyse ist Interpretieren gemeint. Der Ansatz ist in vielen geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Fächern anwendbar, wie beispielsweise in den Sozialwissenschaften, der Psychologie, den Erziehungswissenschaften oder auch Pflegewissenschaften.

Ziel des Ansatzes

"Eine Grounded Theory ist eine gegenstandsverankerte Theorie, die induktiv aus der Untersuchung des Phänomens abgeleitet wird, welches sie abbildet. Sie wird durch systematisches Erheben und Analysieren von Daten, die sich auf das untersuchte Phänomen beziehen, entdeckt, ausgearbeitet und vorläufig bestätigt." (Strauss, Corbin 1996: 7-8)

Das Ziel der GTM als Forschungsstil bzw. Forschungsansatz liegt in der Entwicklung neuer Theorien. Diese sollen, wie das Zitat aufgezeigt hat, in den Daten verankert sein. Die durch eine GTM entwickelten Theorien beziehen sich meist auf einen bestimmten begrenzten Bereich und werden deshalb auch als Theorien mittlerer Reichweite bezeichnet.

Beispielstudie: Interaktion mit Sterbenden

Grundprinzipien

Forschungsprozess

Das wichtigste Grundprinzip der Grounded Theory Methodology ist die Verwobenheit der unterschiedlichen Prozesse des Forschungsprozesses. Die unterschiedlichen Schritte, wie Fallauswahl, Datenerhebung sowie Auswertung und Interpretation der Daten sind in der Grounded Theory in einem zirkulären Prozess miteinander verbunden. Mittelpunkt dieses zirkulären Ablaufes ist dabei das theoretical sampling (theoretische Sampling):

Theoretisches Sampling

Wie das Video veranschaulicht hat, zeichnet sich das theoretische Sampling somit durch die Verwobenheit von Datengenerierung, Auswertung und Entwicklung der Theorie gekennzeichnet. Ergänzt werden soll an dieser Stelle, dass das theoretische Sampling nach dem Prinzip des minimalen und maximalen Kontrast abläuft. Es werden zunächst solche Fälle ausgesucht, von denen angenommen wird, dass sie dem bereits ausgewerteten Fall ähnlich sind (minimaler Kontrast). Somit sollen feinere Unterschiede in den gefundenen Konzepten herausgearbeitet und näher ausgeleuchtet werden. Die Auswahl von Fälle, die im maximalen Kontrast zu den bisherigen liegen, zielt hingegen eher auf die Erweiterung gefundener Konzepte und die Infragestellung bisheriger Erkenntnisse ab.

Kodieren, Vergleichen, Memo schreiben

Neben dem zirkulären Vorgehen bestimmen folgendene drei Grundprinzipen das Arbeiten mit der Grounded Theory Methodology: