ExpertInneninterview

Einleitung

Das ExpertInneninterview ist in der Regel leitfadengestützt und basiert ursprünglich auf sogenannte ExpertInnengesprähe, die ganz selbstverständlich im Rahmen von Untersuchungen durchgeführt wurden. Dies war dann eher als Informationslieferant innerhalb der explorativen Forschungsphase zu verstehen und weniger eine qualitative Datenerhebungsmethode zur weiterführenden Forschung. Im Jahre 2005 änderte sich diese Auffassung durch einen Artikel von Meuser und Nagel, welcher eine intensive Diskussion auslöste, wie man dieses ExpertInnengespräch für die weitere Forschung nutzbar machen kann. Daraus ergibt sich die Frage, was das ExpertInneninterview eigentlich so besonders macht und wie es sich von anderen leitfadengestützten Interviewvariante unterscheidet.

Aufbau ExpertInneninterview

Als Vorbereitung für das Interview liegt ein themenspezifischer Leitfaden vor. Der Leitfaden muss die Herausforderung bestehen, die aus der Theorie abgeleiteten Sachfragen abzubilden und gleichzeitig die Anforderungen qualitativer Gesprächsführung einzuhalten. Da die ExpertInneninterviews aus den ExpertInnengespräche basieren, schlagen Przyborski und Wohlrab-Sahr eine Art Metaleitfaden, aus den ExpertInnengesprächen, vor, um ein ExpertInneninterview zu konzipieren (vgl. Przyborski/Wohlrab-Sahr 2014).

Das Ablaufschema sieht wie folgt aus:

  • Vorgespräch
  • Gelegenheit zur Selbstpräsentation
  • Stimulierung einer selbstläufigen Sachverhaltsdarstellung
  • Aufforderung zur beispielhaften und ergänzenden Detailierung
  • Aufforderung zur spezifischen Sachverhaltsdarstellung
  • Aufforderung zur Theoretisierung
    (vgl. Przyborski/Wohlrab-Sahr 2014)

Durchführungsprinzipien für ExpterInneninterviews

Insgesamt orientieren sich die Prinzipien für die praktische Interviewführung an die allgemeinen Prinzipien für leitfadengestützte Interviews. Allerdings erscheint der Umgang mit einem/einer ExpertIn eine besondere Kommunikation, auch aufgrund von latenten Hierarchien. Damit die Kommunikation erleichtert wird schlagen Merton, Fiske und Kendall bestimmte Kriterien vor, die eine praktische Durchführung schematisieren und erleichtern sollen:

  • Non-Direction (Nicht-Beeinflussung)
  • Spezifität
  • Range (Erfassung eines breiten Spektrums)
  • Depths (Tiefgründigkeit)

Wer ist überhaupt der/die ExpertIn?

Der/die ExpertIn meint eine Person, die über eine besondere Art von Wissen verfügt und in einem bestimmten (Wissens)gebiet spezifische Erfahrungen besitzt, aus denen man schöpfen kann. Soziologisch wird diese Auffassung ergänzt durch eine Person, die über ein bestimmtes Rollenwissen verfügt. Oft wird dieses Rollenwissen mit Berufsrollen in Verbindung gebracht, aber auch mit Spezialwissen auf außerberuflichem Terrain (vgl. Przyborski/Wohlrab-Sahr 2014).

Diese besondere Art von Wissen gliedert sich in drei Bereiche auf:

  • Spezifisches Betriebswissen über Arbeitsabläufe, Regeln, institutionalisierte Zusammenhänge und/oder Mechanismen
  • Zugeschriebenes Deutungswissen
  • Kontextwissen über bestimmte Bereiche, die für die Untersuchung von Bedeutung sind
    (vgl Przyborski/Wohlrab-Sahr 2014)

Je nachdem welche Art von Wissen für die Forschung von Belang sind, muss der Leitfaden und die Interviewführung angepasst werden. Die Wissensformen können sich zwar verschränken, sollten jedoch insgesamt unterscheidbar sein (vgl Przyborski/Wohlrab-Sahr 2014).

[Moodle Quiz: Beispiel für Fragebatterien nach Wissensformen.]

Wann ist ein ExpterInneninterview die richtige Wahl?

Ein ExpertInneninterview wird dann eingesetzt, wenn eine bestimmte Art von Erfahrungswissen erfragt werden soll. Oftmals wird es im Bereich zur Generierung von spezifischem Betriebswissen verwendet.

Zusammenfassung

Das ExpterInneninterview ist eine besondere Art des leitfadengestützten Interviews. Im Fokus des Interviews steht der Input der sogenannten ExpertInnen. Der/die ExpertIn besitzt eine besondere Art von Erfahrungswissen, welches für das jeweilige Forschungsinteresse von Belang ist. Dieses Erfahrungswissen gliedert sich in drei Bereiche auf - spezifisches Betriebswissen, zugeschreibenes Deutungswissen und Kontextwissen. Neben dem Erfahrungswissen bringt der/die ExpertIn auch ein Rollenwissen mit. Dieses Rollenwissen wird oft mit Personen aus dem beruflichen Spektrum in Verbindung gebracht, weshalb das ExpertInneninterview oft in Verbindung mit Fragestellungen aus der Arbeitsmarktforschung gebracht wird. Darüber hinaus gibt es aber auch ExpertInnen im außerberuflichem Spektrum, auf welchem man ein gewisses Spezialwissen benötigt (z.B. ehrenamtliche Tätigkeiten).