ExpertInneninterview

Einleitung

Das ExpertInneninterview ist in der Regel leitfadengestützt und basiert ursprünglich auf sogenannte ExpertInnengespräche, die ganz selbstverständlich im Rahmen von Untersuchungen durchgeführt wurden. Dies war dann eher als Informationslieferant innerhalb der explorativen Forschungsphase zu verstehen und weniger eine qualitative Datenerhebungsmethode zur weiterführenden Forschung. Im Jahre 2005 änderte sich diese Auffassung durch einen Artikel von Meuser und Nagel, welcher eine intensive Diskussion auslöste, wie man dieses ExpertInnengespräch für die weitere Forschung nutzbar machen kann. Daraus ergibt sich die Frage, was das ExpertInneninterview eigentlich so besonders macht und wie es sich von anderen leitfadengestützten Interviewvarianten unterscheidet.

Durchführungsprinzipien für ExpertInneninterviews

Insgesamt orientieren sich die Prinzipien für die praktische Interviewführung an die allgemeinen Prinzipien für leitfadengestützte Interviews. Allerdings erscheint der Umgang mit einem/einer ExpertIn eine besondere Art von Kommunikation, auch aufgrund von latenten Hierarchien (Wissensungleichheit).

Wichtig ist ein respektvolles Kommunizieren auf Augehöhe.

Damit die Kommunikation erleichtert wird schlagen Merton, Fiske und Kendall (1956) bestimmte Kriterien vor, die eine praktische Durchführung schematisieren und erleichtern sollen:

Wer ist überhaupt der/die ExpertIn?

Um eine Unterscheidung zwischen anderen leitfadengestützten Interviewformen zu machen, ist es wichtig zu wissen, wer der/die ExpertIn ist und was diese befragte Person von anderen unterscheidet. Der/die ExpertIn meint eine Person, die über eine besondere Art von Wissen verfügt und in einem bestimmten (Wissens)gebiet spezifische Erfahrungen besitzt, aus denen man schöpfen kann. Soziologisch wird diese Auffassung ergänzt durch eine Person, die über ein bestimmtes Rollenwissen verfügt. Oft wird dieses Rollenwissen mit Berufsrollen in Verbindung gebracht, aber auch mit Spezialwissen auf außerberuflichem Terrain.

Je nachdem welche Art von Wissen für die Forschung von Belang sind, muss der Leitfaden und die Interviewführung angepasst werden. Die Wissensformen können sich zwar verschränken, sollten jedoch insgesamt unterscheidbar sein.

Aufbau des ExpertInneninterviews

Als Vorbereitung für das Interview liegt ein themenspezifischer Leitfaden vor. Der Leitfaden muss die Herausforderung bestehen, die aus der Theorie abgeleiteten Sachfragen abzubilden und gleichzeitig die Anforderungen qualitativer Gesprächsführung einzuhalten. Ein exemplarisches Ablaufschema für die praktische Durchführung von ExpertInneninterviews schlagen Przyborski und Wohlrab-Sahr (2014) vor:

Wann ist ein ExpertInneninterview die richtige Wahl?

Ein ExpertInneninterview wird dann eingesetzt, wenn eine bestimmte Art von Erfahrungs- oder Rollenwissen erfragt werden soll. Oftmals wird es im Bereich zur Generierung von spezifischem Betriebswissen verwendet.

Zusammenfassung

Literaturhinweise

Merton, R. et al. (1956): The Focused Interview: A report of the bureau of applied social research. Columbia University

Przyborski, Aglaja/Wohlrab Saar, Monika (2014): Qualitative Sozialforschung. Ein Arbeitsbuch. 4., erweiterte Auflage, München: Oldenbourg.